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OSTEOSARKOM - KNOCHENKREBS
OSTEOSARKOM in der Veterinärmedizin
Veterinärmedizinisch tritt das Osteosarkom insbesondere bei grossen Hunderassen gehäuft auf. Betroffen ist v.a. die mittlere Alterskategorie, wobei einige Studien auch eine Prädisposition für kastrierte Tiere beschreiben. Das Osteosarkom zeigt sich dabei klinisch meist als schmerzhafte Schwellung an den langen Röhrenknochen nach dem Grundsatz Ellbogengelenksfern - Kniegelenksnah. Auf einer Röntgenaufnahme ist dabei üblicherweise eine Knochenauflösung (Osteolyse) im typischen "Sunburst Pattern" zu sehen.
Die Prognose bei caninem Osteosarkom ist sehr schlecht. Meist sind bei der Diagnose bereits (mikroskopische oder makroskopische) Lungenmetastasen vorhanden. Amputation, Radiotherapie und Chemotherapie sind mögliche Behandlungsmassnahmen, aber üblicherweise rein palliativ.
Bei einigen Rassen (Bernhardiner, Deerhound) wurde daneben eine familiäre Häufung von Osteosarkom-Fällen beschrieben [1]. Auch sind bei Hunden diverse Genmutationen beschrieben, welche das Osteosarkom-Risiko erhöhen.[2]
Referenzen [Bearbeiten]
1.↑ Bech-Nielsen et al. (1978). Frequency of osteosarcoma among first-degree relatives of St. Bernard dogs. J Natl Cancer Inst 60(2):349-53
2.↑ Ferracini R. et al. (2000). MET oncogene aberrant expression in canine osteosarcoma. J Orthop Res 18(2):253-6
Das OSTEOSARKOM des Hundes:
Was gibt es Neues zu Diagnostik und Therapie ?
B. Kandel, M. Kessler
Tierklinik Hofheim
Primäre Knochentumoren (Osteosarkome) treten bei Hunden großer und Riesenrassen
v.a. in den metaphysären Bereiche der langen Röhrenknochen auf. Sie zeigen ein lokal
destruktives Verhalten und eine hohe Metastasierungsneigung. Sie sind röntgenologisch
durch ein gemischt osteolytisch-osteoproliferatives Erscheinungsbild mit periostalen
Knochenreaktionen charakterisiert. Die Computertomographie ist besonders geeignet, um
Ausmaß und Osteolysegrad der Knochenveränderung sowie den Umfang der
Weichteilbeteiligung darzustellen. CT-Untersuchungen sind außerdem einer
Röntgenuntersuchung hinsichtlich der Erkennung von Lungenmetastasen überlegen.
Daneben ist auch die Knochenszintigraphie und neuerdings auch die Immunoszintigraphie
zur Diagnostik der Ausdehnung der Läsion sowie zum Screening hinsichtlich
Knochenmetastasen geeignet. Die Entnahme einer histopathologischen Gewebeprobe
erfolgt aus dem Zentrum des Tumors (!) Bei osteolytischen Tumoren ist auch die
Feinnadelaspirationszytologie zur Diagnose gut geeignet.
Therapie der Wahl bei appendikularen Osteosarkomen ist die Entfernung des tumorösen
Knochens (i.d.R. Gliedmaßenamputation). Bei Tumorlokalisation in der distalen
Radiusmetaphyse sind gliedmaßen-erhaltende Tumorresektionen durch Ersatz des
tumorösen Knochensegments mit einem Knochentransplantat oder Knochenzement
beschrieben worden (sog. "limb-sparing"). Um eine Metastasierung zu verzögern ist nach
einer Amputation oder einem "limb-sparing" eine adjuvante Chemotherapie unabdingbar.
Es kommen Platinderivate (Cisplatin, Carboplatin) und/oder Doxorubicin zum Einsatz. Mit
einer Gliedmaßenamputation (oder „limb-sparing“) und Chemotherapie leben 55% der
Tiere länger als 1 Jahr, 35% der Patienten überleben 2 Jahre und länger. Die chirurgische
Resektion von Lungenmetastasen führt zur weiteren Lebensverlängerung, ist aber
umstritten. Sofern eine Amputation nicht durchgeführt werden kann, ist eine palliative
Schmerzbestrahlung anzuraten. Üblicherweise werden 3-4 Fraktionen hoher Einzeldosis
appliziert und führen zu einer deutlichen Schmerzlinderung und Lahmheitsverbesserung.
Der Mechanismus der Schmerzausschaltung ist noch nicht eindeutig geklärt. Die
Überlebenszeiten bestrahlter Patienten liegen zwischen 3 und 5 Monaten und kann
möglicherweise durch eine Kombination mit einer Chemotherapie noch verbessert werden.
Ein vielversprechender Therapieansatz ist auch die zusätzliche Anwendung von
Biphosphonaten (z.B. Etidronate, Pamidronate), die neben der schon länger bekannten
schmerzlindernden Wirkung möglicherweise auch zytostatische Effekte auf
Osteosarkomzellen haben. Ihr klinischer Einsatz beim caninen Osteosarkom wird
gegenwärtig untersucht und zeigt in der Erfahrung der Autorin vielversprechende
Ergebnisse.
Aus der Tierärztlichen Klinik für Kleintiere Frankfurt am Main, Leitender Tierarzt Dr. med. vet. Volker Hach
Das Osteosarkom beim Hund – Erfahrungen mit einer Gliedmassen-erhaltenden Operationstechnik
Volker Hach
Das Osteosarkom ist der häufigste Knochentumor beim Hund. Vornehmlich sind grosswüchsige, ältere Hunde betroffen. Die Ätiologie ist nicht eindeutig geklärt. Die häufigste Lokalisation ist die distale Radiusmetaphyse. Die Diagnose wird histologisch gestellt, obwohl die typisch radiologischen Veränderungen des Osteosarkoms oftmals sehr charakteristisch sind. Die Heilungschancen werden als gering eingestuft. In den letzten Jahren haben verschiedene chirurgische und medikamentelle Therapieversuche zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensdauer- und qualität der betroffenen Tiere geführt. Wir haben erste Ergebnisse einer Gliedmassen-erhaltenden Operationstechnik mit einer Endoprothese. Es wurden in unserer Klinik mehrere Hunde mit Osteosarkom des distalen Radius chirurgisch mit einer Platten-Endoprothese versorgt. Die Ergebnisse sind erfolgversprechend.
Die klinischen Symptome sind oftmals sehr charakteristisch für die Krankheit beim Befall des distalen Radius. Die hochgradige Stützbeinlahmheit ist für den Tierhalter schon frühzeitig zu erkennen. Der Lahmheitsgrad kann aber vor allem im Beginnstadium der Krankheit individuell sehr variieren. Im fortgeschrittenem Stadium ist eine Gliedmassenbelastung meist kaum noch vorhanden.
Die Diagnose wird histologisch abgesichert. Nach unseren Erfahrungen sind die Ergebnisse der Knochenbiopsie nicht immer zufriedenstellend und falschnegative Ergebnisse durchaus möglich. Wir haben auf eine präoperative Biopsie verzichtet und schicken den resezierten Knochen zur histologischen Untersuchung ein.
Die Therapie beinhaltet grundsätzlich eine lokale Tumorentfernung bzw. Zerstörung des tumorösen Gewebes, als auch eine Verhinderung der systemischen Ausbreitung der Tumorzellen. Die operativen Verfahren beinhalten die Amputation, Gliedmassen-erhaltende Verfahren und die Tumorbestrahlung. Die hohe Wirksamkeit einer Chemotherapie ist sicher nachgewiesen und hat zu einer entscheidenden Verbesserung der Behandlungsergebnisse geführt. Die Strahlentherapie ist nur in Einzelfällen zu erwägen, da das Osteosarkom kaum strahlensensibel ist.
Die Gliedmassen-erhaltene Verfahren mit Tumorresektion und Einsetzen einer Knochenprothese oder autologem Knochenmaterial kann die Gliedmasse erhalten. Die Überlebens- und Rezidivrate ist in der Literatur sehr unterschiedlich. Sie variiert von Monaten bis zu Jahren. Die Funktionalität der Gliedmasse wird bei einer Untersuchung von STRAW und WITHROW (1996) bei über 90% der operierten Patienten als gut bis exzellent beschrieben. Die Belastung der Gliedmasse bei unseren operierten Patienten war nach der Operation als zufriedenstellend zu bezeichnen. In der 3- 4 Woche nach der Operation wurde die Gliedmasse dann in allen Fällen mit allerdings unterschiedlichem Lahmheitsgrad belastet. Inwieweit der unterschiedliche Ausbreitungsgrad oder Zeitpunkt des Osteosarkombeginns dabei eine Rolle spielen, konnte nicht ermittelt werden. Bei unseren Patienten kam es innerhalb des ersten Jahres nach der Operation zu keiner Metastasierung oder Rezidivierung .
In mehreren Studien haben verschiedene Untersuchungen keinen signifikanten Unterschied in der Überlebenszeitdauer der operierten Patienten mit Amputation und einer Gliedmaßen-erhaltenden Operation gesehen (STRAW und WITHROW 1996; DERNELL et al. 2001). Die gliedmassenerhaltende Operation wird bereits seit mehreren Jahren in den USA und in Europa durchgeführt. In die Knochendefekte wurden früher vornehmlich kortikale Eigentransplantate eingelegt. Wir haben mit dem Einsatz eines Metall-Implantates eine Alternative zum Allotransplantat zur Verfügung.
ÜBERLEBENSZEIT BEI OSTEOSARKOM GRAD III UNTER THERAPIE
Osteosarkome werden gerade bei größeren Hunden nicht selten diagnostiziert, und meist sind jüngere Tiere betroffen. Bislang galt die Prognose trotz immer neuer Therapiemethoden als schlecht bis infaust. In dieser größeren jüngst publizierten Studie wurden die Überlebenszeiten mit unterschiedlichsten Therapien zusammengestellt. Die betrübliche Bilanz: nicht mehr als 3,5% der Grad III-Patieten überlebten die Diagnosestellung 3 Jahre - unabhängig von der Therapie.
In diese retrospektive Studie wurden Hunde mit Grad III-Osteosarkomen einbezogen, bei denen es zum Zeitpunkt der Präsentation also schon zu Metastasen gekommen war. 90 Tiere konnten untersucht werden, deren Überlebenszeiten dann bezüglich Lokalisation des Primärtumors, Lokalisation der Metastasen, durchgeführter Therapie, Alter, Geschlecht und Rasse analysiert wurden.
Die Überlebenszeiten lagen bei 0-1583 Tagen mit einem Median von 76 Tagen. Die Ein-, Zwei- und Dreijahres-Überlebensquoten lagen bei 7%, 4.7% und 3.5%.
Therapiert waren die Tiere mit unterschiedlichsten Kombinationen von Chemotherapeutika, Chirurgie, Radiotherapie, Bisphosphonaten und NSAIDs.
Die Daten sprachen dafür, daß eine Kombination von Chirugie und adjuvanter Therapie eine längere Überlebenszeit als die Chirurgie alleine erbrachte. Umgekehrt wurde die Überlebenszeit kürzer, wenn Metastasen in Lunge oder Lymphknoten festgestellt wurden.
Die Therapie von Hunden mit Osteosarkomen Grad III führt zu unterschiedlich langen Überlebenszeiten, eine multimodale Therapie vermutlich noch zu den relativ längsten.
Metastasen in Lunge oder Lymphknoten korrelierten mit einer verkürzten Überlebenszeit.
Quelle: Boston, S., Ehrhart, N., Dernell, W., Lafferty, M. & Withrow, S. (2005): Retropective Evaluation of Survival Time of Dogs with Stage III Osteosarcoma that Undergo Treatment. In: Veterinary and Comparative Oncology 3 (1), 36-37.
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